Auf Amazon gibts Details: http://www.amazon.de/Zerbrechlich-Roman-Jodi-Picoult/dp/343103828X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1291838394&sr=8-1
Rezesion von Evi Brezina
Da ich selbst von OI betroffen bin, habe ich dieses Buch mit besonderem Augenmerk auf seine Glaubwürdigkeit gelesen. Die Autorin hat zweifelsohne gut recherchiert! Das Leben mit einer so schweren Form von OI ist ein Thriller an sich, ist aber für die breite Öffentlichkeit wohl in seiner alltäglichen Form nicht nachvollziehbar.Es gab in der Vergangenheit einige autobiographische Versuche, das Leben mit OI zu schildern, jedoch kommt keine davon an eine so große Leserschar wie das eine Bestsellerautorin kann. Dafür, dass sich Jodi Picoult also dieses Themas angenommen hat, gebührt ihr Dank.
Ich möchte wetten, dass sich viele, wenn nicht alle Eltern von OI-Kindern mindestens einmal in ihrem Leben gefragt haben, wie ihr Leben mit einem gesunden Kind wohl aussehen würde. Sich gleich vorzustellen, es niemals geboren zu haben und darauf eine Klage aufzubauen, ist aber wirklich typisch amerikanisch und sehr dramatisch.
Viele Geschwister von OI-Kindern leiden unter Aufmerksamkeitsdefiziten ihrer Eltern. Das ist ein Fakt und wird leider oft aus verständlichen Gründen übersehen. Als gesundes Kind haben sie es alles andere als leicht. Zusehen zu müssen, wie ein nahestender/geliebter Mensch immer wieder aufs Neue leidet, sprengt auf Dauer zwangsläufig die Grenze des Erträglichen. Genauso wie die Beziehung der Eltern auf eine harte Probe gestellt wird, die im wahren Leben auch ohne Klage und Prozess, oft nur sehr schwer bewerkstelligt wird.
Dass im Land der unbegrenzten Möglichkeiten das Gesundheitswesen kränkelt ist nichts Neues. Eine Versorgung mit den besten aller Hilfsmitteln für ein ganzes Leben ist wohl ein Wunschtraum, den jeder Mensch mit Behinderung hegt, ist doch die Lebensqualität unmittelbar davon abhängig. Realistisch ist so eine Klage aber überhaupt nicht, nochdazu gegen die beste Freundin, die das Pech hat, die behandelnde Gynäkologin gewesen zu sein. Aus schriftstellerischer Sicht ist diese Dramatik allerdings nachvollziehbar. Braucht doch jede noch so gute Geschichte einen ordentlichen “Aufhänger”. Was wir hier haben ist ja auch “nur” ein Roman, der keinerlei Anspruch auf Wahrheit erhebt, auch wenn er in vielen Punkten der Realität sehr nahe kommt.
Über das Ende läßt sich streiten. Ich mag es nicht!
Alles in allem jedoch ein gut geschriebenes Buch, das durch die vielen Perspektivenwechsel sehr spannend zu lesen ist. Ich bin jedenfalls froh, es gelesen zu haben.